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Wedges
#1
Wie angekündigt, schreibe ich nun noch ein wenig mehr zu den Wedges, im englisch sprachigen Raum auch "scoring clubs" genannt.
Neben dem Bounce gibt es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten die Wedges anzupassen, um noch näher an die Fahne zu kommen: Sohlenschliff (grind), Schaft, Schaftgewicht, Schwunggewicht und Aufbau des Griffes. Ähnlich wie bei der Wahl des Bounces kommt es auch bei diesen Parametern auf den Haupteinsatzzweck des Wedges an.

Klassischerweise wird in einem Standardwedge ein True Temper Dynamic Gold S200 / S300 Schaft verbaut und das Schwunggewicht wird mit flacher werdenden Lofts immer kopflastiger, beginnend schon beim GW (um die 50°). Dieses Setup liegt an folgenden Gründen:
(A) Jahrelang war der Dynamic Gold Schaft der Standardschaft für Eisensätze schlechthin, auch heute werden die Eisen für bessere Spieler von Haus aus noch immer überwiegend mit diesem Schaft ausgestattet.
(B) Ein PW hatte um die 48° Loft und somit wurde selten ein GW gespielt und wenn, dann nicht unbedingt mit vollen Schwüngen.
Dazu sollte man erwähnen, dass folgende Faustregel gilt: Je häufiger man den Schläger mit Teilschwüngen nutzt, um so schwerer wählt man Schaft und Schwunggewicht, damit man auch bei kurzen Rückschüngen den Schläger spürt. Außerdem ist das SW kopflastiger, weil im Sand mehr Masse im Schlägerkopf vorteilhaft ist.

Doch wie schaut es bei modernen Eisensätzen aus? Die Schäfte sind inzwischen deutlich leichter als ein DG geworden und mind. ein GW zwischen PW und SW für volle Schwünge ist ob der immer stärker werdenden Lofts unumgänglich geworden.
Insbesondere bei einem GW, das mit hauptsächlich mit vollem Schwung gespielt wird, macht es sehr viel Sinn, den gleichen Schaft und das gleiche Schwunggewicht wie beim letzten Eisen / Wedge des Eisensatzes zu nehmen. Leider wird dies bei den meisten Wedges von der Stange noch nicht berücksichtigt, bzw. ist nur aufpreispflichtig möglich.

Kommen wir zu den oben genannten individuellen Anpassungsmöglichkeiten.
  • Schwunggewicht: Im Absatz oben drüber ist es schon angesprochen worden. Je häufiger man Teilschwünge mit dem Wedge macht, um so kopflastiger sollte der Schläger im Verhältnis zum Eisensatz werden. Dies wird hauptsächlich beim SW und LW der Fall sein. Wie kopflastig der Schläger im Endeffekt wird und ob man SW und LW nochmals unterschiedlich baut oder eben nicht, ist individuell festzulegen. Man kann z.B. des LW auch mit dem Schwunggewicht des GW oder PW bauen, falls man mit dem LW hauptsächlich volle Schwünge macht, weil einem Teilschwünge zu trainingsintensiv sind.
  • Schaftgewicht: An Anlehnung an den Haupteinsatzzweck aus dem Abschnitt Schwunggewicht wählt man das Schaftgewicht. Ein schwerer Schaft erhöht das Gesamtgewicht, was einem wiederum bei Teilschwüngen zugutekommt. Zusätzlich erhöht ein schwererer Schaft das Schwunggewicht. Für ein GW, das als weiteres Eisen genutzt wird, um die Distanzlücke zw. PW und SW zu schließen, macht also ein deutlich schwererer Schaft als in den Eisen wenig Sinn.
  • Schaft: Seit ein paar Jahren bieten einige Schafthersteller spezielle Wedgeschäfte an. Diese habe i.d.R. andere Biegeprofile als klassische Eisenschäfte und erhöhen z.B. den Spin. Nippon Steel bietet seinen Wedgeschaft sogar extra in drei Gewichtsklassen an, je nachdem, ob man einen sehr leichten, einen leichten oder einen schweren Schaft in seinen Eisen spielt.  KBS geht einen anderen Weg. Der Härtegrad des Schafts wird durch das Gewicht gesteigert. Man nimmt dann also eine Gewichtsklasse höher und führt ein soft stepping durch, um den Schaft nicht zu hart werden zu lassen, insbesondere wenn man nur Teilschwünge ausführt und den Schaft nicht "voll auflädt". Diese Methode kann man ebenso für FST Schäfte, die Mutterfirma von KBS, und True Temper Schäfte anwenden. Die Möglichkeiten bei der Schaftwahl sind also ziemlich vielfältig, so dass man sich am besten gut beraten lässt, um das Beste aus den "scoring clubs" herauszuholen.
  • Sohlenschliff (Grind): Neben dem Standardsohlenschliff gibt es bei vielen Wedgemodellen auch spezielle Grinds, die einen bestimmten Effekt erzielen sollen. Der sog. Heel Grind lässt den Schlägerkopf aufdrehen, ohne dass die Vorderkante nach oben vom Boden hochkommt, was oftmals zu fiesen dünnen Treffern führt. Ein Grind an der Vorderkannte ermöglicht es Einem leichter einen Punch oder "knock down" Schlag, bei dem man sehr Steil an den Ball kommt, zu spielen. Es gibt noch viele weitere Varianten, die teilweise auch Kombinationen verschiedener Grinds darstellen. Ob man wirklich so einen sehr speziellen Grind benötigt, sollte man mit seinem Pro besprechen, während man besondere "Finesse" Schläge trainiert.
  • Aufbau des Griffs: Neben den normalen Möglichkeiten wie Standardgröße, Midsize oder Jumbo, kann man die Griffdicke ebenso individuell aufbauen. Und zwar nicht nur den gesamten Griff, sondern auch nur einen Teil des Griffs, vornehmlich unter der unteren Hand. Vergrößert man an diesen Teil des Griffs, verändert man den Griffdruck der Hand und auch ein wenig die Handhaltung. Bei Teilschwüngen (manche sagen bei allen Schwüngen) soll dies zu einer ruhigeren unteren Hand führen, was wiederum zu geraderen und konstanteren Annäherungen bei Chips und Pitches führt. Inzwischen haben dieses Verfahren mit Tom Wishon und Golf Pride zwei Griffhersteller in ihr Programm aufgenommen und bieten Griffmodelle mit größeren Außendurchmesser im unteren Teil an. Bei Tom Wishon gilt dies für alle Griffmodelle, Golf Pride bietet bisher nur ein derartiges Modell an.
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#2
Danke.

Und was hältst du von der Theorie das man den Wedge Schaft so kurz wie spielbar/möglich wählen soll und dann seine Eisen danach anpasst? Das widerspricht ja so ziemlich allen Schaftlängen alle Eisen auf dem Markt...
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#3
Eisenlängen nach Wedgelängen anzupassen ist nicht nur in der Theorie sowohl in der Praxis ein Schuss in den Ofen. Bei einem richtigen Fitting gibt es keinen Ausgangspunkt oben oder unten bzw lang oder kurze Schläger. Da gibt es nur passt oder passt nicht. Optimal ist immer alle Wedges in der selben Länge zu haben und so lang wie möglich was aber bei OEM schnell in den SW-E Bereich schießt. Besonders bei einer Vokey kann das schnell in Richtung Gewichtheben gehen.

Ob da 52, 56 oder 60 draufsteht wichtig ist das jede Wedge gleich bedient werden kann ohne bereits beim Setup ins straucheln zu geraten. Schlaghöhe, Spinn und Weite kommen aus der Dosierung, Setup und länger oder kürzer greifen. Dies ist schon verwirrend genug. Wenn jetzt noch verschiedene Schaftlängen ins Spiel kommen geht das zu Lasten der Konstanz.

Von der These das Wedges nicht voll geschwungen werden halte ich nicht viel. Ein Ball der Sitz oder brav 1 m Rückwärts Platz machen soll brauch Spinn und Spinn braucht Dampf und Dampf brauch Schaftlänge.

Das ist immer ein nett anzusehendes Phänomen wenn Spieler im Fairway- oder Grünbunker umgraben statt locker unter dem Ball durchzupflutschen oder wenn nötig erst den Ball zu treffen. Bei einem zu kurzen Schaft ist eine lockere Schulterdrehung nicht sonderlich einfach bzw fast unmöglich.

LG
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#4
(04.04.2015, 05:31)Streuner schrieb: Danke.

Und was hältst du von der Theorie das man den Wedge Schaft so kurz wie spielbar/möglich wählen soll und dann seine Eisen danach anpasst? Das widerspricht ja so ziemlich allen Schaftlängen alle Eisen auf dem Markt...

Das halte ich wie Britania. Die Wedges sollte man möglichst auf eine Länge bauen und diese eben nicht zu kurz wählen. Neben dem klassischen 0,5" Abstand zw. den Eisen gibt es auch den 3/8" Abstand nach Tom Wishon: Ausgehend von einem kurzen Eisen, z.B. dem 9er, werden die Eisen nach oben um 3/8" länger und zum Wedge hin um 3/8" kürzer. Das führt zu einem nicht mehr ganz so langen 5er Eisen (in diesem Fall zu 37,5" anstatt 38" und mehr) und einem nicht ganz so kurzen Wedge von 35 5/8" anstatt 35,5" und weniger. An beiden Enden des Sets soll dadurch die Spielbarkeit erleichtert werden. Persönlich habe ich noch keine Erfahrung damit, aber ich werde dieses Jahr so einen Satz mal bauen, um das zu testen.
Im Notfall gilt jedoch immer: Wer trifft hat recht, bzw. wenn es passt, dann passt es. Egal welche Länge abseits der nicht vorhandenen Norm.
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#5
Bezgl. Schaftlängen gibt es jetzt beim Revival von Ben Hogan einen recht interessanten, progressiven Ansatz. Grundsätzlich sind die Schläger in Abstufungen von einem Grad erhältlich, es steht auch nicht mehr die 7 für Eisen 7 drauf, sondern die Gradzahl, z.b. die 36 für das E7. Die Schaftlängen ändern sich alle 4 Grad. Damit kann man sich einen klassischen Satz zusammenstellen, z.B. als Basis das 48 Grad PW, 44 Grad E9 usw.

Bei den langen Eisen (20-35 Grad) beträgt der Abstand ¾ Zoll, zwischen 36 und 43 Grad ½ Zoll, ab Eisen 9 mit 44 bis 47 Grad bis runter zu den Wedges mit bis zu 63 Grad werden die Schäfte jeweils ¼Zoll kürzer. Leider sieht das Kopfdesign nicht unbedingt fehlerverzeihend aus, so dass diese Schläger für mich nicht in Frage kommen, aber interessant finde ich die Schaftlängen Abstufung schon. BTW: Hier wäre auch die Fertigqualität interessant, denn wenn man einen Schläger spielt, auf dem dick die 36 steht erwarte ich, dass der Schläger auch 36 Grad Loft hat und nicht 36 Grad plus/minus 3 Grad...
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#6
sehr interessantes Thema. Auf meinem präferierten Kurzplatz ist nichts so wichtig wie Wedges Smile

anTon
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#7
Ich glaube das ist bei den meisten von uns so, egal ob Kurzplatz oder volle Par72
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#8
Ich finde das Thema Wedges ist viel zu interessant um es einfach so untergehen zu lassen. Gerade Faktoren wie Gewicht, Bounce und Schaftlänge verdienen mehr Aufmerksamkeit. Immerhin sind Schläger zwischen 48 und 60 Grad sowie der Putter die Hauptwerkzeuge für einen guten Score.

Ich für mich gesprochen hatte bis Mitte des letzten Jahres nur Regalwedges im Einsatz. Durch den lokalen Vorteil St Ives konnte ich in einem Wedgefitting detailiert verschiedene Schliffarten in allen Schlagsitustionen und echten Bällen testen. Ich musste mir damals eingestehen das ich nur Schrott hatte.

Wer hat den überhaupt verschiedene Wedges, Bounces und Längen auf verschiedenen Untergründen testen können bzw wo gibt es in D überhaupt ein richtiges Wedgefitting?
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#9
insgesamt scheinen die Wedges ja doch etwas vernachlässigt zu werden. Wenns bei den Golfgesprächen um Ausrüstung geht dann nur selten um Wedges. Die vorgenannte Marke "Ben Hogan" scheint es aber bei uns (in D) nicht zu geben.

anTon
anTon-art Fotografie - Frauen als Blumen auf der Wiese des Lebens.
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#10
(05.04.2015, 11:32)anTon schrieb: Die vorgenannte Marke "Ben Hogan" scheint es aber bei uns (in D) nicht zu geben.
Der Relaunch der Marke ist mit großem Trara vorbereitet worden, erst seit Ende März liefern sie erste Schläger in den USA aus (150 Dollar der Schläger), der Europavertrieb muss noch warten...
(05.04.2015, 11:32)anTon schrieb: insgesamt scheinen die Wedges ja doch etwas vernachlässigt zu werden. Wenns bei den Golfgesprächen um Ausrüstung geht dann nur selten um Wedges.
Das Wedgefitting wird in der Tat noch sehr vernachlässigt in Deutschland. Man kann schon froh sein, wenn man jemanden findet, der sich mit Putterfitting auskennt.
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